Rede des Herrn Oberbürgermeisters Dieter Görlitz anlässlich des 3. Deggendorfer Donausymposiums am 8. April 2000  

Es gilt das gesprochene Wort!

Als Oberbürgermeister der Stadt Deggendorf freue ich mich, Sie ebenfalls begrüßen zu dürfen.

Ich darf mich an dieser Stelle bei der Fachhochschule Deggendorf, insbesondere beim Präsidenten, Herrn Professor Dr. Reinhard Höpfl, und den Professoren Markmiller und Metzka sowie beim Bayerischen Hafenforum bedanken, die es wiederum auf sich genommen haben, diese Veranstaltung auszurichten.

Mein Dank gilt selbstverständlich auch den Referenten, die heute den anspruchsvollen Versuch unternehmen, die ökologischen Belange eines Donauausbaues in verständlicher und nachvollziehbarer Weise einem interessierten Publikum vorzustellen.

Während beim 2. Deggendorfer Donausymposium am 13.  November 1999 überwiegend die wasserbaulichen Aspekte behandelt wurden, soll diese Veranstaltung dazu dienen, die ökologischen Belange einer Vorplanung zum Donauausbau im Streckenabschnitt Straubing - Vilshofen zu beleuchten.

Schon die Tatsache, dass sich zwei Symposien mit völlig unterschiedlichen Ansprüchen mit dem Donauausbau beschäftigten, zeigt uns das Spannungsfeld auf, innerhalb dessen die letztlich politische Entscheidung über das ob und wie eines Donauausbaues fallen wird; das Spannungsfeld zwischen den bewahrenden und den gestaltenden Kräften unserer Gesellschaft.

Auch die Mönche des Klosters Niederalteich standen schon vor Jahrhunderten im gleichen lnteressenkonflikt, als sie sich entscheiden mussten, die Donau, die ursprünglich meandernd und ausufemd zwischen Hengersberg und dem heutigen Kloster verlief, zu zähmen und in ihr heutiges Bett zu leiten.

Eine Maßnahme, die aus dem ehemals ungezähmten, wirklich frei fließenden Gewässer einen für damalige Zeiten schiffbaren Strom und aus den wilden Auen zwischen Hengersberg und Niederalteich eine beachtenswerte schöne Kulturlandschaft geschaffen hat, die heute von vielen Menschen bewohnt und bewirtschaftet wird und, die wegen ihrer schlichten Schönheit von der überwiegenden Mehrzahl unserer Bevölkerung als Naturlandschaft empfunden und nicht mehr als vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft erkannt wird,

Was ich damit sagen will, ist folgendes:

Der Mensch hat immer schon in die Natur eingegriffen und letztendlich immer versucht, die Natur in seinem Sinne zu gestalten.  Sehr oft ist ihm dies im positiven Sinne gelungen.  Andere Bereich zeigen selbstverständlich auch, dass es manchmal bessere Möglichkeiten gegeben hätte.

Auch heute stehen wir wieder vor einer ähnlichen Situation, vor einem verbissen ausgetragenen Interessenkonflikt von Ausbaugegnern und Ausbaubefürwortern, der teilweise schon so weit geht, dass vorgetragene Argumente der jeweiligen Gegenseite 

     -     entweder wegen der Komplexität der Materie oder

     -     weil sie nicht ins jeweilige Weltbild passen

nicht verstanden werden oder nicht verstanden werden wollen.

Ich denke hier zum Beispiel an das leidige Thema der Abladetiefe von Schiffen, die immer und immer wieder mit unzulässigen Begriffen, wie Wassertiefen, Fahrrinnentiefen usw. verwechselt werden (oder um der leichteren Argumentation wegen bewusst verwechselt werden?)

Was ich mir wirklich wünschen würde, ist:

Dass es endlich m lich sein sollte, Ausbaugegner und Ausbaubefürworter an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam nach der besten Lösung zu suchen.

Einer Lösung aber, die sich nicht an kleinräumigen ökologischen und ökonomischen Interessen orientiert, sondern eine Gesamtbetrachtung von Ökologie und konomie in sich vereint.

Und es muss auch möglich sein, Themen zu diskutieren, die bisher im Eifer der Diskussion offensichtlich kaum angesprochen wurden.  Beispielhaft möchte ich hier nur einige Diskussionsanstöße geben:

1.      Es steht fest, dass ein Donauausbau schon auf Grund ausschließlich ökologischer Notwendigkeiten, unter anderem zur Sicherung des wertvollen Landschaftsschutzgebietes untere Isar, durchgeführt werden muss.

2.      Es steht jedoch leider ebenfalls fest, dass bei einem Donauausbau mit Bahnen und Leitwerken (reine flussbauliche Lösung)

-  die Hochwassergefahr im betroffenen Streckenabschnitt erheblich steigen

-  die Fließgeschwindigkeit der Donau erheblich zunehmen und

-  erhebliche Geschiebemengen (Tausende von Tonnen pro Jahr) ständig in die

Donau eingebracht und teilweise wieder ausgebaggert werden müssen (und das Jahr für Jahr, ein Problem, das wir noch unseren Kindern und Kindeskindern hinterlassen werden).

3.      Alle Untersuchungen - auch die von Herrn Dr. Bemhard - haben ergeben, dass ein Ausbau mit rein flussbaulichen Mitteln nur eine zusätzliche Abladetiefe von maximal 20 bis 30 cm bringen wird und damit von der Schifffahrt weiterhin unkalkulierbare Niedrigwasserperioden mit Abladetiefen von weit unter 2 m hingenommen werden müssen.  Ein Wert, der, mit Verlaub gesagt, den dafür notwendigen Mitteleinsatz in keinster Weise mehr rechtfertigen wunde.

4.      Und es sollte nicht vergessen werden, dass wir täglich Tausende von LKW's auf unseren Autobahnen bewegen, die in der Energiebilanz dem Schiff hoffnungslos unterlegen sind.  Während ein Schiff einen CO2-Ausstoß von nur 41,2 Gramm pro Tonnenkilometer produziert, bläst ein LKW bereits 141,8 Gramm CO2 in die Luft. Ein Schiff bietet die umweltfreundlichste Verkehrsleistung, die nach heutigem Stand der Technik geboten werden kann.

5.      Und, bedenken Sie bitte ebenfalls:

Für die nächsten 20 Jahre ist eine Verdoppelung der Gütermengen auf deutschem Gebiet prognostiziert.  Ich halte dies für keine besonders erfreuliche Perspektive angesichts der bereits jetzt teilweise schon hoffnungslos überfüllten Autobahnen und angesichts der internationalen Verpflichtungen der Bundesrepublik Deutschland zur Reduzierung der Schadstoffemissionen.

6.      Und wer heute bedingungslos Stützschwellen zur Anhebung des Wasserstandes ablehnt  und gegebenenfalls damit liebäugelt, als Kompromiss eine einzige Staustufe letztendlich   hinzunehmen, der sollte sich ebenfalls überlegen, dass aus ökologischer Sicht mehrere kleine Stützschwellen wesentlich günstiger zu bewerten sind, als eine einzige große Staustufe, die letztendlich zu einer wirklich relevanten Verminderung der Fließgeschwindigkeit in ihrer dann sehr langen Stauwurzel führen wird.

Ich hoffe, dass meine Äußerungen bewusst machen, dass es einfache Lösungen beim Donauausbau nicht geben kann und geben wird und, dass wir aufeinander zu gehen müssen, um die bestmögliche Lösung für uns und unsere Nachkommen zu erhalten.

In diesem Sinne wünsche ich dem 3. Deggendorfer Donausymposium einen erfolgreichen, vor allem aber informativen Verlauf.
 

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