Es gilt das gesprochene Wort!
Als Oberbürgermeister der Stadt Deggendorf freue ich mich, Sie ebenfalls
begrüßen zu dürfen.
Ich darf mich an dieser Stelle bei der Fachhochschule Deggendorf,
insbesondere beim Präsidenten, Herrn Professor Dr. Reinhard Höpfl, und
den Professoren Markmiller und Metzka sowie beim Bayerischen Hafenforum
bedanken, die es wiederum auf sich genommen haben, diese Veranstaltung
auszurichten.
Mein Dank gilt selbstverständlich auch den Referenten, die heute den
anspruchsvollen Versuch unternehmen, die ökologischen Belange eines
Donauausbaues in verständlicher und nachvollziehbarer Weise einem
interessierten Publikum vorzustellen.
Während beim 2. Deggendorfer Donausymposium am 13.
November 1999 überwiegend die wasserbaulichen Aspekte behandelt
wurden, soll diese Veranstaltung dazu dienen, die ökologischen Belange
einer Vorplanung zum Donauausbau im Streckenabschnitt Straubing -
Vilshofen zu beleuchten.
Schon die Tatsache, dass sich zwei Symposien mit völlig
unterschiedlichen Ansprüchen mit dem Donauausbau beschäftigten, zeigt
uns das Spannungsfeld auf, innerhalb dessen die letztlich politische
Entscheidung über das ob und wie eines Donauausbaues fallen wird; das
Spannungsfeld zwischen den bewahrenden und den gestaltenden Kräften
unserer Gesellschaft.
Auch die Mönche des Klosters Niederalteich standen schon vor
Jahrhunderten im gleichen lnteressenkonflikt, als sie sich entscheiden
mussten, die Donau, die ursprünglich meandernd und ausufemd zwischen
Hengersberg und dem heutigen Kloster verlief, zu zähmen und in ihr
heutiges Bett zu leiten.
Eine Maßnahme, die aus dem ehemals ungezähmten, wirklich frei fließenden
Gewässer einen für damalige Zeiten schiffbaren Strom und aus den wilden
Auen zwischen Hengersberg und Niederalteich eine beachtenswerte schöne
Kulturlandschaft geschaffen hat, die heute von vielen Menschen bewohnt
und bewirtschaftet wird und, die wegen ihrer schlichten Schönheit von
der überwiegenden Mehrzahl unserer Bevölkerung als Naturlandschaft
empfunden und nicht mehr als vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft
erkannt wird,
Was ich damit sagen will, ist folgendes:
Der Mensch hat immer schon in die Natur eingegriffen und letztendlich
immer versucht, die Natur in seinem Sinne zu gestalten.
Sehr oft ist ihm dies im positiven Sinne gelungen.
Andere Bereich zeigen selbstverständlich auch, dass es manchmal
bessere Möglichkeiten gegeben hätte.
Auch heute stehen wir wieder vor einer ähnlichen Situation, vor einem
verbissen ausgetragenen Interessenkonflikt von Ausbaugegnern und
Ausbaubefürwortern, der teilweise schon so weit geht, dass vorgetragene
Argumente der jeweiligen Gegenseite
- entweder wegen der Komplexität der Materie
oder
- weil sie
nicht ins jeweilige Weltbild passen
nicht verstanden werden oder nicht verstanden werden wollen.
Ich denke hier zum Beispiel an das leidige Thema der Abladetiefe von
Schiffen, die immer und immer wieder mit unzulässigen Begriffen, wie
Wassertiefen, Fahrrinnentiefen usw. verwechselt werden (oder um der
leichteren Argumentation wegen bewusst verwechselt werden?)
Was ich mir wirklich wünschen würde, ist:
Dass es endlich m lich sein sollte, Ausbaugegner und Ausbaubefürworter
an einen Tisch zu bringen, um gemeinsam nach der besten Lösung zu
suchen.
Einer Lösung aber, die sich nicht an kleinräumigen ökologischen und
ökonomischen Interessen orientiert, sondern eine Gesamtbetrachtung von
Ökologie und konomie in sich vereint.
Und es muss auch möglich sein, Themen zu diskutieren, die bisher im
Eifer der Diskussion offensichtlich kaum angesprochen wurden.
Beispielhaft möchte ich hier nur einige Diskussionsanstöße geben:
1.
Es steht fest, dass ein Donauausbau schon auf Grund
ausschließlich ökologischer Notwendigkeiten, unter anderem zur Sicherung
des wertvollen Landschaftsschutzgebietes untere Isar, durchgeführt
werden muss.
2.
Es steht jedoch leider ebenfalls fest, dass bei einem Donauausbau
mit Bahnen und Leitwerken (reine flussbauliche Lösung)
-
die Hochwassergefahr im betroffenen Streckenabschnitt erheblich steigen
-
die Fließgeschwindigkeit der Donau erheblich zunehmen und
-
erhebliche Geschiebemengen (Tausende von Tonnen pro Jahr) ständig in die
Donau eingebracht und teilweise wieder ausgebaggert werden müssen (und
das Jahr für Jahr, ein Problem, das wir noch unseren Kindern und
Kindeskindern hinterlassen werden).
3.
Alle Untersuchungen - auch die von Herrn Dr. Bemhard - haben
ergeben, dass ein Ausbau mit rein flussbaulichen Mitteln nur eine
zusätzliche Abladetiefe von maximal 20 bis 30 cm bringen wird und damit
von der Schifffahrt weiterhin unkalkulierbare Niedrigwasserperioden mit
Abladetiefen von weit unter 2 m hingenommen werden müssen.
Ein Wert, der, mit Verlaub gesagt, den dafür notwendigen
Mitteleinsatz in keinster Weise mehr rechtfertigen wunde.
4.
Und es sollte nicht vergessen werden, dass wir täglich Tausende
von LKW's auf unseren Autobahnen bewegen, die in der Energiebilanz dem
Schiff hoffnungslos unterlegen sind.
Während ein Schiff einen CO2-Ausstoß von nur 41,2 Gramm pro
Tonnenkilometer produziert, bläst ein LKW bereits 141,8 Gramm CO2 in die
Luft.
Ein Schiff bietet die umweltfreundlichste Verkehrsleistung, die nach
heutigem Stand der Technik geboten werden kann.
5.
Und, bedenken Sie bitte ebenfalls:
Für die nächsten 20 Jahre ist eine Verdoppelung der Gütermengen auf
deutschem Gebiet prognostiziert. Ich halte dies für keine besonders erfreuliche Perspektive
angesichts der bereits jetzt teilweise schon hoffnungslos überfüllten
Autobahnen und angesichts der internationalen Verpflichtungen der
Bundesrepublik Deutschland zur Reduzierung der Schadstoffemissionen.
6.
Und wer heute bedingungslos Stützschwellen zur Anhebung des
Wasserstandes ablehnt und gegebenenfalls damit liebäugelt, als
Kompromiss eine einzige Staustufe letztendlich hinzunehmen, der
sollte sich ebenfalls überlegen, dass aus ökologischer Sicht mehrere
kleine Stützschwellen wesentlich günstiger zu bewerten sind, als eine
einzige große Staustufe, die letztendlich zu einer wirklich relevanten
Verminderung der Fließgeschwindigkeit in ihrer dann sehr langen
Stauwurzel führen wird.
Ich hoffe, dass meine Äußerungen bewusst machen, dass es einfache
Lösungen beim Donauausbau nicht geben kann und geben wird und, dass wir
aufeinander zu gehen müssen, um die bestmögliche Lösung für uns und
unsere Nachkommen zu erhalten.
In diesem Sinne wünsche ich dem 3. Deggendorfer Donausymposium einen
erfolgreichen, vor allem aber informativen Verlauf.
