9. Internationaler Donaukongress in Niederaalteich  am 9./10.Dezember 2000

Ich möchte mich Ihnen vorstellen: Mein Name ist Albrecht Scheubner, ich bin Kapitän und Eigner des Motorgüterschiffes „JENNY“. Unser Schiff hat eine Tragfähigkeit von ca. 2.300 to; die gleiche Kapazität wie 92 LKWs - dies wäre eine LKW-Kolonne  von ungefähr 6 km Länge.

Seit 1993 habe ich die Donau ca. 150 x befahren, habe viele Erfahrungen gesammelt und glaube deshalb, kompetent zu sein, mich zum  Donauausbau zu äußern und Vorschläge zu unterbreiten. Es stimmt nicht, dass die Schifffahrt will, dass die Donau zubetoniert wird! Wir sehen diesen Fluss  als unseren Arbeitsplatz und möchten, dass von den herrlichen Flusslandschaften möglichst viel erhalten
bleibt.

Noch nie wurde ein europäischer Fluss so gründlich begutachtet wie die bayerische Donau! Mehr als 30 Ausbauvarianten wurden bereits untersucht, und wenn nicht bald  eine Entscheidung fällt, werden die Untersuchungskosten in absehbarer Zeit höher sein als die Baukosten.

Um Verkehre von den überlasteten Straßen aufs Wasser zu bringen, muss die Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit des Verkehrsträgers „Binnenschifffahrt“ auf der bayerischen Donau verbessert werden. Der Verlader gibt  nur
demjenigen  seine Ware, der ihm die günstigsten Transportbedingungen bietet. Um in Zukunft überhaupt noch erfolgreich am Transportmarkt agieren zu können, braucht die Schifffahrt dringend den Donauausbau. Aber dieser Ausbau ist nur dann sinnvoll, wenn eine ganzjährige Abladetiefe von 2.50 m, besser wäre 2.80 m wie am Main, garantiert wird. Diese Abladetiefe kann nur durch eine Staustützung erreicht werden.

Es ist nicht realisierbar, wie von einer Bundestagsabgeordneten von Bündnis 90 / DIE GRÜNEN gefordert, dass sich die Schiffe den Flüssen anpassen. Wie Sie wissen, gelten für jeden Fluss die unterschiedlichsten Bedingungen. Wie sollte das in der Praxis funktionieren, wenn dieses spezielle Schiff, um zu seinem Zielhafen zu gelangen, in einen anderen Fluss einfahren müsste?

Solche Forderungen sind für mich fern jeder Realität und werden auch deshalb von mir nicht Ernst genommen, weil diese gleiche Abgeordnete, inzwischen Parlamentarische Staatssekretärin, in aller Öffentlichkeit Anspruch auf ihren Lustfaktor, nämlich Motorradfahren, leider ohne Katalysator, erhebt!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

„Die bayerische Donau ist nicht nur eine einzigartige Schönheit, sondern mit ihren über 40 Engstellen auf den 70 km zwischen Straubing und Vilshofen ein einzigartiges Hindernis für die Schifffahrt.“

Dieser Spruch stammt aus der Homepage von Herrn Ministerialrat Horst Kleemeier und sagt alles aus!

Ich kenne keinen Fluss in Europa, der schwieriger zu befahren ist, keine Wasserstraße, auf der sich so viele Havarien und Festfahrungen  ereignen! Die ca. 40 Engstellen bedeuten nicht nur eine große Unfallgefahr, sondern auch eine zusätzliche Fahrzeitverzögerung von 1 – 2 Stunden. Bei Begegnungen an den Wartestellen vor den Engstellen kommt es wegen der zu geringen Fahrwasserbreite und –tiefe immer wieder zu gefährlichen Situationen. Außerdem lässt der jetzige Ausbauzustand, bedingt durch die vielen Engstellen,  nur noch einen Verkehrszuwachs von höchstens 20% zu. Wenn Sie jetzt denken, da fahren doch eh´ so wenig Schiffe vorbei, dann täuscht dies. Immerhin wurden im Jahr 1999 7,5 Mio.  to  auf der bayerischen Donau transportiert. Diese Menge müsste von  300.000 LKWs a´ 25 to gefahren werden, das wäre eine LKW-Kolonne von ungefähr 19.500 km, fast ein halber Erdumfang, oder 27 x die Strecke München – Hamburg!!!

Auf der nichtausgebauten Donaustrecke ist momentan keine wirtschaftliche Abladung meines Schiffes möglich.  In den Jahren 97/98 erreichte ich z.B. bei 48 Reisen eine mittlere Abladung von 1.86 m, was einer Ladung von ca. 1.100 to entspricht. Bei einer Abladetiefe von 2.50 m können wir ca. 1.700 to transportieren. Der Verlust beträgt somit 600 to, das sind gut 35% weniger Ladung, und somit erhebliche finanzielle Einbußen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich möchte Ihnen nun an einem Beispiel erklären, womit wir, umgesetzt auf die Binnenschifffahrt durch die nichtausgebauten Donau, leben und arbeiten müssen.

Bitte stellen Sie sich folgendes vor:

Sie haben eine Monatskarte und fahren jeden Tag mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit. Eines morgens, Sie wollen gerade in den Bus einsteigen, erklärt Ihnen der Busfahrer, dass Sie und noch einige andere Fahrgäste, heute, morgen, vielleicht die ganze nächste Woche oder noch länger, nicht mitfahren können, denn die Brücke „X“, über die der Bus jeden Tag muss, kann bei einem bestimmten Donauwasserstand nur mit einem um 35% reduzierten Gesamtgewicht befahren werden.

Sie können nun wieder nach Hause laufen und Ihr Auto holen. Sie werden aber nicht mehr rechtzeitig am Arbeitsplatz erscheinen und für Ihren Chef als unpünktlich und unzuverlässig gelten. Oder, Sie rufen sich ein Taxi. Das kostet aber zusätzlich Geld und bedeutet eine weitere Umweltbelastung, denn der nicht voll besetzte Bus ist ja auch unterwegs.

Oder, für die zurückgelassenen Fahrgäste wird ein weiterer Bus eingesetzt. Dieser muss dann, nur wenig ausgelastet, aber mit den gleichen Kosten, ebenfalls diese  Strecke fahren. Der Busunternehmer kann nicht richtig kalkulieren, müsste aber auf alle Fälle den Fahrpreis erhöhen, denn er ist Unternehmer, bietet Arbeitsplätze und muss mit Gewinn arbeiten. Der Markt gibt jedoch nicht mehr her. Also wird er versuchen, mit billigen und unqualifizierten Arbeitskräften seinen Betrieb aufrecht zu erhalten. Mit dem verminderten Service werden aber seine Fahrgäste auf Dauer nicht einverstanden sein, er wird Kunden verlieren, und wenn sich an den unberechenbaren Einschränkungen durch die Brücke „X“ nichts ändert, ist es nur eine Frage der Zeit, wann er seinen Liniendienst ganz einstellen muss.

Seine Fahrgäste werden dann auf umweltbelastende Beförderungs-Möglichkeiten umsteigen müssen.

Hätten Sie dafür Verständnis?

Vor solchen Problemen, umgesetzt auf die Binnenschifffahrt, stehen wir immer wieder und es bedarf oft hellseherischer Fähigkeiten, die Abladetiefe meines Schiffes zu bestimmen. 

Und nun meine Stellungnahme zu den geplanten Ausbauvarianten:

Variante A, optimierter Istzustand nach Ausbaustandard Vb und VIa

Zur Erinnerung: Ausbaustandard Vb = eingliedriger Schubverband mit den Maßen 185 m Länge und 11,40 m Breite.

Ausbaustandart VIa = zweigliedriger Schubverband mit den Maßen 110 m Länge und 22,80 m Breite.

Meiner Meinung nach kann eine Kosten-Nutzen-Analyse für die Variante A nicht günstig ausfallen, weil eine erreichte Verbesserung der Fahrwassertiefe von max. 20 cm in keinem Verhältnis zu den Kosten steht.

Selbst eine Fahrwassertiefe von 2.50 m, wie sie von Herrn Dr. Bernhart berechnet wurde, bringt für die Binnenschifffahrt nicht die nötige Konkurrenzfähigkeit, denn sie ist  nicht  ganzjährig garantiert! Nochmals zur Erinnerung: Fahrwassertiefe 2.50 m bringt nur eine Abladetiefe von ca. 2 m.

Die Fließgeschwindigkeit wird zunehmen, was zu einer Verminderung der Fahrtgeschwindigkeit des Schiffes führen wird. Dies hat eine Steigerung des Treibstoffverbrauches von bis zu 30% (entspricht ca. 500l für diese 70 km) zur Folge. Bitte denken Sie an die internationale Verpflichtung von 1997, die Schadstoffemission bis zum Jahr 2012 um 5,2% zu reduzieren. Es kann doch sicher nur im Interesse aller sein, dass diese Verpflichtung auch erfüllt wird.

Ich glaube, dass der zusätzliche Einbau von Buhnen bei dieser Variante das Landschaftsbild sehr stark verändert. Außerdem sind Buhnen für Schiffsführer immer ein großes Hindernis, wie z.B. auch Bäume entlang den Strassen für Autofahrer große Unfallgefahren darstellen.

Bei dieser Variante wird es immer erforderlich sein, Nachbaggerungen vorzunehmen. Die Donau wird auf diesem Streckenabschnitt somit eine ewige Baustelle sein, und hierdurch fallen jährlich zusätzlich hohe Kosten an. Außerdem bedeutet jede Flussbaustelle ein Hindernis, oder zumindest eine Einschränkung.

Variante B, verschärfte Flussregelung nach Ausbaustandard VIb

Ausbauvariante VIb = sog. Vierer-Schubverband mit den Maßen 185 m

Länge und 22,80 m Breite.

Bei dieser  Ausbauvariante mit Sohldeckwerken muss ein Schiff ein Mindestflottwasser von gemittelt 1 m zur Flusssohle haben. Die Schiffsschraube würde ansonsten die groben Steine ansaugen, was zu  einer Beschädigung, bzw. Zerstörung der Schraube führt. Festgestellt wurde dies durch umfangreiche theoretische Berechnungen und in mehreren  Modellversuchen. In einem Naturversuch bei Aicha mit zwei Schiffen wurden diese Ergebnisse ebenfalls bestätigt. 

Zu Flottwasser wäre folgendes zu sagen: Flottwasser ist der Abstand zwischen Schiffsboden und Flusssohle und dieser muss bei einer Kiessohle mindestens 50 cm betragen. Diese 50 cm setzen sich zusammen aus einem Flottwasser von 20 cm und einem Absunk während der Fahrt von 30 cm. Bei felsigem Untergrund müsste der Mindestabstand 70 cm betragen. Zur Erinnerung: bei einem Sohldeckwerk sogar 1 m ! Zwar fahren immer wieder Schiffe mit geringeren Sicherheitsabständen,

- an der Donau nennt man das „auf Knirsch fahren oder schottern“ -

aber dies führt im Havariefall zum Verlust des Versicherungsschutzes. Doch wird dieses sehr große Risiko, bedingt durch finanzielle Not, leider  oft in Kauf genommen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, nur ein Donauausbau kann dies ändern!

Der noch umfangreichere Einbau von Buhnen, Leitwerken und Sohldeckwerken kommt bei dieser Variante meines Erachtens einer gewaltigen Veränderung der herrlichen Flusslandschaften gleich; dies wird sicherlich niemand wollen!

Variante C, eine Staustufe und Fließstrecken nach Variante A, Ausbaustandard Vb und VIa.

Diese Variante würde für die Schifffahrt eine Verbesserung von nur ca. 40 cm Fahrwassertiefe bedeuten. Die nautisch schwierige Strecke zwischen Aicha und Deggendorf würde zwar entschärft werden, aber eine ganzjährige Abladetiefe von 2.50 m könnte auf keinen Fall erreicht werden. Ich würde sie nicht vorschlagen, denn ein Ausbau sollte nicht nur für die nächsten 5 Jahre, sondern zukunftsweisend sein. Die bevorstehende EU-Osterweiterung wird mit Sicherheit eine starke Zunahme der Transporte auf der Donau bringen.

Auch die Mönche des Klosters Niederaalteich hatten schon vor Jahrhunderten den nötigen Weitblick: standen auch sie damals im gleichen Interessenkonflikt! Sie mussten sich entscheiden, die Donau, die ursprünglich mäandernd und ausufernd zwischen Hengersberg und dem heutigen Kloster verlief, zu zähmen und in ihr heutiges Bett zu leiten. Eine Maßnahme, die aus dem ehemals ungezähmten, wirklich freifließenden Gewässer, einen für damalige Zeiten schiffbaren Strom und aus den wilden Auen zwischen Hengersberg und Niederaalteich eine beachtenswerte schöne Kulturlandschaft geschaffen hat. Sie wird heute von vielen Menschen bewohnt und bewirtschaftet. Ihre schlichte Schönheit wird von der überwiegenden Mehrzahl der Bevölkerung als Naturlandschaft empfunden und nicht mehr als eine vom Menschen geschaffene Kulturlandschaft erkannt.

Schon damals hatten die Mönche gute Gründe, in die Natur einzugreifen. Damit möchte ich folgendes sagen: Der Mensch hat schon immer in die Natur eingegriffen und versucht, sie in seinem Sinne zu gestalten.

Variante D 1, zwei Staustufen mit einem Seitenkanal, Ausbaustandard VIb   

Mit dieser Variante will man einen Teilabschnitt der Donau vom Schiffsverkehr fernhalten.

Auf der einen Seite will man einen Flussabschnitt  schonen, auf der anderen Seite würde durch den dafür nötigen Seitenkanal Natur zerstört werden. Meiner Meinung nach wäre dies ein zu hoher Preis!

Variante D 2, drei Staustufen, Ausbaustandard VIb

Ein Ausbau mit drei ökologisch optimierten Staustufen wäre für mich die Variante mit den wenigsten Eingriffen in die Natur und somit mein absoluter Favorit!

Sie werden sich jetzt fragen, meine sehr geehrten Damen und Herren, was sind „ökologisch optimierte Staustufen?“

Auf unserer Ausstellung „Donauschifffahrt 2000“ im Juni in Deggendorf stellte ich diese Variante vor und sie fand bei vielen Naturschützern große Zustimmung.

„Ökologisch optimierte Staustufen“ sehen nur soviel Staustützung vor, wie nötig ist, um eine ganzjährige Abladetief von 2.50 m zu garantieren. Bei mittleren Wasserständen könnte die Staustützung herausgenommen werden und die Donau frei fließen. Diese Stufen wären mit den Staustufen Straubing und Geisling nicht vergleichbar. Der Stau würde im Mittelwasserbett bleiben, Staudämme im klassischen Sinn wären nicht erforderlich und der Fliesscharakter des Gewässers bliebe erhalten. Das wären dann keine Staustufen mehr im herkömmlichen Sinn, sondern Flussbau, der temporär gestützt ist. Durch Umleitungsgehrinne an den Stufenstellen können Ersatzfliesgehrinne geschaffen werden, die Lebensraum für die entsprechenden Fischarten bieten.

Nicht, dass Sie glauben, eine Staustützung wäre das „Nonplusultra“ für die Binnenschifffahrt! Gäbe es eine Lösung ohne Staustufen, die Schifffahrt wäre sofort dafür, denn das Durchfahren einer Schleuse bedeutet für uns immer einen Zeitverlust!

Ziel des Donauausbaus sollte unter anderem sein, die Natur nicht nur zu erhalten, sondern da, wo es möglich ist, sie zu verbessern. Der momentane Zustand muss ja nicht unbedingt der optimalste sein. So könnte zum Beispiel eine gesteuerte Beeinflussung des Wasserspiegels im Isarmündungsbereich mit hohen und niedrigsten Wasserständen eine Verbesserung für Flora und Fauna bedeuten.

Wie ich in meinem Referat immer wieder darauf hingewiesen habe, ist für uns die ganzjährige Verfügbarkeit von 2.50 m Abladetiefe – bitte genau beachten: Abladetiefe! – am allerwichtigsten.

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich hoffe, Sie sind mit mir einer Meinung:

„Lieber ein kleiner Stau in der Donau, als ein großer Stau auf der A 3!“

Ministerpräsident Stoiber spricht immer von einem bayerischen Herzen, in dem Tradition und Fortschritt vereint sind. In einem Hightechland wie Bayern ist es schwer verständlich, dass Flussbau, wie vor Hunderten von Jahren praktiziert, die beste Lösung sein soll. Man sollte neue Wege gehen, neueste ökologische Erkenntnisse nutzen, neue Techniken einsetzen, um eine für alle akzeptable Lösung zu finden,

denn ein jahrelanger Streit vor dem Europäischen Gerichtshof würde niemandem nutzen!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

von mir ein klares JA zum Donausbau mit Staustützen – damit auch in Zukunft Schiffe fahren!

Ich bin sicher, der Ausbau wir ökonomisch wertvoll und ökologisch sinnvoll sein!

Wenn Sie mehr über Binnenschifffahrt und Donauausbau wissen wollen, in unserer Homepage unter www.scheubner.de  finden Sie viele Links zu entsprechenden Seiten.

Ganz neu und besonders erwähnenswert: www.donau-nachrichten.de

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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