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Stand der Ergänzenden Untersuchungen für den Donauausbau
Johannes Schiller
Wasser- und Schifffahrtsamt Regensburg

Die von den
Politikern für Mitte 2000 angekündigte Entscheidung über den Ausbau der
Donau zwischen Straubing und Vilshofen, ein Streckenabschnitt von 70 km
Länge einer 3500 km langen Wasserstraßenverbindung von der Nordsee bis zum
Schwarzen Meer, rückt näher. In diesem Streckenabschnitt ist die
Fahrrinnentiefe ca. um 1 m geringer als in den angrenzenden
Streckenbereichen.
Das Interesse der Betroffenen, Verbände, Medien und Bürger an
Zwischenergebnissen bzw. Tendenzen der bisher durchgeführten
Untersuchungen steigt. Um diesem Informationsbedürfnis Rechnung zu tragen,
fanden am 16. September 1999 in Karlsruhe und am 13. November 1999 in
Deggendorf zwei von der Bundesanstalt für Wasserbau bzw. vom Bayerischen
Hafenforum und der Fachhochschule Deggendorf durchgeführte
Informationsveranstaltungen über die wasserbaulichen Untersuchungen statt.
Auch auf dem 8. INTERNATIONALEN DONAUKONGRESS in Niederalteich vom 11. bis
13. Dezember 1999 über die Zukunft der Donau zwischen Straubing und
Vilshofen gab es Gelegenheit, die aktuellen Standpunkte und neuesten
Erkenntnisse aus der Sicht des
Naturschutzes, des Wasserbaus und der Schifffahrt zu diskutieren.
An den
Untersuchungen für den Donauausbau sind zahlreiche namhafte Wasserbau und
Schiffsbau-Experten aus Deutschland, der Schweiz und Österreich beteiligt.
Neben der Bundesanstalt für Wasserbau sind die Technische Universität
Karlsruhe, die Technische Universität München, das Europäische
Entwicklungszentrum für Binnen und Küstenschifffahrt in Duisburg, die
Universität Innsbruck sowie namhafte Ingenieurbüros an den Untersuchungen
beteiligt. Die Kosten für die Untersuchungen liegen bereits in der Höhe
eines zweistelligen Millionenbetrages.
Bei den
Veranstaltungen kamen neben den direkt an den Untersuchungen beteiligten
Fachleuten auch Referenten zu Wort, die eine kritische Einstellung zu den
Untersuchungen haben.
Auch wenn Politiker und Medien nach den Veranstaltungen bereits Signale
für eine Vorentscheidung gesehen haben wollen, so kann dies aus fachlicher
Sicht nicht bestätigt werden.
Untersucht werden folgende Varianten:
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Variante A
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Örtliche
Engstellenbeseitigung, keine Fahrrinnenverbreiterung (weiter
optimierter Ist-Zustand)
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Variante B
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Sog.
"Scharfe Flussregelung", Fahrrinnenbreiten nach Empfehlung des
Europäischen Entwicklungszentrums für Binnen und Küstenschifffahrt
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Variante C
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Einstufenvariante mit einer Staustufe in Aicha zur Beseitigung des
schwierigsten Streckenabschnittes unterhalb der Isar (Kombination
von Fluss und Stauregelung)
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Variante D
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Mehrstufenvariante mit zwei bzw. drei Stufen (modifizierte
Raumordnungslösung)
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Nachstehend werden die einzelnen Varianten, die im Hinblick auf eine
Verbesserung der Schifffahrtsverhältnisse nicht gleichwertig sind, und
wichtige in den Veranstaltungen diskutierte Aspekte noch einmal dargelegt
sowie einige zum derzeitigen Zeitpunkt mögliche wesentliche Aussagen
getroffen. Im einzelnen handelt sich sich um folgende Aspekte:
- In der
Deggendorfer Veranstaltung wurde verdeutlicht, dass es an der deutschen
Donau ein Erosionsproblem gibt, da langfristig von oberstrom und aus
der Isar kein Geschiebeantransport mehr erfolgt. Das bedeutet, dass man
dagegen Maßnahmen, z. B. Kolksicherung oder Geschiebezugabe, treffen
muss, damit sich die Verhältnisse (Wasserstände) nicht verschlechtern.
Ohne Maßnahmen ist mit Eintiefungen von mehr als einem Meter zu rechnen.
Diese Eintiefung würde auch den Bestand der Auwälder gefährden.
- Die in Österreich
geplante sog. "Granulometrische
Sohlsicherung" setzt voraus, dass sich die Sohle noch in gewissem Umfang
verändern darf. Diese
Veränderungsmöglichkeit ist an der deutschen Donaustrecke nicht gegeben.
Diese Maßnahme ist daher kein Ersatz für ein Sohldeckwerk.
Zu erwartende Erosion im Donauabschnitt Straubing-Vilshofen im
Endzustand
(ohne stabilisierende Maßnahmen)
nach Untersuchungen des lngenieurbüros
für Fluß- und Wasserbau Hunziker & Zarn, Aarau (Schweiz).
- Neben
Staustufenlösungen (Variante D) wird untersucht, welche Fahrrinnentiefe
mit flussregelnden Maßnahmen (Buhnen, Parallelwerke, Baggerungen,
Kolkverbau und Geschiebebewirtschaftung) herstellbar ist.
In der Variante B wird ein Ausbau entsprechend den von dem
Europäischen Entwicklungszentrum für Binnen- und Küstenschifffahrt
empfohlenen Fahrrinnenbreiten für die Regelbegegnung Koppelverband mit
einem Schubverband (190 x 11,40 m) mit allen möglichen flussregelnden
Mitteln untersucht mit dem Ziel einer möglichst großen Abladetiefe für
die Schifffahrt.
Der Viererverband (190 x 22,80 m) im Richtungsverkehr ist nur
in den engen Krümmungen bemessungsmaßgebend.
Daneben wird in der Variante A ein Ausbau mit auf die
Engstellen bezogenen begrenzten flussregelnden Maßnahmen untersucht. Die
derzeit vorhandene Fahrrinnenbreite von in der Regel 70 m wird dabei
beibehalten und nur in den engen Krümmungen verbreitert. Die Variante C, eine kombinierte Lösung, sieht in dem
nautisch und flussmorphologisch schwierigsten Streckenabschnitt
unterhalb der Isarmündung bis Winzer eine Staustufe bei Aicha vor.
Der Stau wird dabei so gewählt, dass die Abladetiefen den in
den angrenzenden mit flussregelnden Maßnahmen erzielbaren Tiefen
entsprechen. Die
Fahrrinnenverhältnisse entsprechen dabei denen der Variante A., d. h.
einem gegenüber den Varianten B und D geringerem Sicherheitsstandard.
- Mit
flussregelnden Maßnahmen kann letztendlich ein Zugewinn an
tiefe nur durch Einschränkung der Fahrwasserbreite
erzielt werden. Auf der
Donau sind zur Zeit sehr knappe Fahrrinnenbreiten vorhanden, die in den
Krümmungen nur einen Richtungsverkehr zulassen.
Begegnungen finden in der Regel in der Form statt, dass der
Talfahrer durchfährt und der Bergfahrer an schifffahrtsüblichen Stellen
abwartet. Der knappe
Standard wird durch die hohe Zahl der Unfälle auf dem Streckenabschnitt
Straubing-Vilshofen belegt.
Festfahrungen auf dem Kiesufer liefen dabei bisher in den
meisten Fällen relativ glimpflich ab.
- Die Abladetiefe
(nicht: Wassertiefe) von 2,50 m ganzjährig kann nur mit Staustufen
erreicht werden. Die
Abladetiefe entspricht dabei nicht der Wassertiefe.
Bei der Ermittlung der erforderlichen Wassertiefe ist zum
Tiefgang in Ruhe das Einsinken des Schiffes während der Fahrt, das vom
Querschnitt, der Strömung und der Fahrgeschwindigkeit des Schiffes
abhängt, und ein Zuschlag für das Flottwasser zu addieren.
- Die untersuchten
Staustufenlösungen sind nicht vergleichbar mit den bereits bestehenden
Stufen ober- und unterstrom, da sie bei Mittelwasser nur zwischen 1 bis
2 m und bei Niedrigwasser (RNW) nur 2 bis 3 m Stauerzeugen (gegenüber
bisher 6 bis 8 m).
- In der Diskussion
wird oft nicht deutlich genug zwischen Wassertiefe und Fahrrinnentiefe
unterschieden. Hier spielen
fahrdynamische Zusammenhänge eine Rolle.
Eine einfache Addition von Einsinktiefe und Flottwasser reicht
nicht aus.
- Mit
flussregelnden Maßnahmen nach Variante A sind nur relativ geringe
Verbesserungen im Hinblick auf die Abladetiefe, aber keine Verbesserung
bzgl. der „Sicherheit und Leichtigkeit des Schiffsverkehrs“ zu erzielen.
- Vom Europäischen
Entwicklungszentrum für Binnen- und Küstenschifffahrt wurde u. a. die
Leistungsfähigkeit der Strecke bei den derzeitigen Fahrrinnenbreiten
untersucht. Danach können
die vom Institut für Forschung, München (Ifo-Institut) prognostizierten
zweistelligen möglichen Transportmengen nicht bewältigt werden.

- Bei einer
scharfen Flussregulierung nach Variante B, die eine starke Aufweitung
des Flussquerschnitts bedeutet, muss auf etwa einem Drittel der Strecke
von 70 km zur Stabilisierung des Querschnitts ein Sohldeckwerk eingebaut
werden, wie es im Naturversuch untersucht wurde. Zu diesem Deckwerk muss
ein fahrendes Schiff (Schiffsboden / Schiffsschraube) einen Abstand von
80 bis 100 cm
einhalten, weil sonst durch aufgewirbelte Steine die
Schiffsschrauben beschädigt werden.
Der Zugewinn der durch die flussregelnden Maßnahmen erzielten
größeren Wassertiefe kann daher nur zum Teil von der Schifffahrt genutzt
werden.
- Gegenüber der
Variante A kann man mit der Variante C im nautisch und
flussmorphologisch schwierigsten Streckenabschnitt unterhalb der
Isarmündung - und damit insgesamt - mehr Tiefe gewinnen.
Ein Stau ist im Hinblick auf die Schifffahrt nur bis etwa
Mittelwasserabfluss erforderlich.
Allerdings werden in den ober- und unterhalb anschließenden
Flussstrecken die bisherigen Fahrrinnenbreiten im wesentlichen
beibehalten. Bei der Variante C ist außerdem eine ökologische
Optimierung im Isarmündungsbereich möglich.
- Die reinen
Stauvarianten der Variante D können gegenüber der Raumordnungsplanung
entsprechend den neuen Erkenntnissen in Bezug auf die ökologische
Verträglichkeit optimiert werden.
Um die Auswirkungen der Baumaßnahmen auf die Umweltausreichend beurteilen
zu können, wurden bereits umfangreiche Erhebungen von Fachleuten
durchgeführt.
Die wasserbaulichen Planungen wurden laufend mit den Ökologen
abgestimmt. Nach Bewertung der Auswirkungen der einzelnen Varianten sind
die erforderlichen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen zu ermitteln.
Die ökologischen Untersuchungen, die einen ebenso hohen Stellenwert
haben wie die rein wasserbaulichen, werden von der Bundesanstalt für
Gewässerkunde in Koblenz betreut. Es ist vorgesehen, im Februar 2000 eine mit den in Karlsruhe
und Deggendorf vergleichbare Veranstaltung für die ökologischen
Untersuchungen durchzuführen.
Der Erhalt der Auwaldbereiche, insbesondere im Bereich des
Isar-Mündungsgebietes
und
des Staatshaufens, ist dabei zwingende Vorgabe für alle Ausbauvarianten.
Dies kann auch bei den Staustufenvarianten durch entsprechende
Binnenentwässerungsmaßnahmen gewährleistet werden.

Neben diesen Untersuchungen werden die Varianten anschließend ökonomisch
bewertet. Um diese Varianten
und auch andere Investitionen vergleichen zu können, wird hierzu das
entsprechende Nutzen- / Kosten-Verhältnis ermittelt.
Von Seiten der Schifffahrt wurde auf den Veranstaltungen vehement die
ganzjährige Abladetiefe von 2,50 m gefordert, damit die umweltfreundliche
Binnenschifffahrt mit den anderen Verkehrsträgern überhaupt konkurrieren
kann und mehr Transporte auf dem Wasser stattfinden.
Wiederholt werden in den Diskussionen die Verhältnisse auf der deutschen
Donaustrecke immer wieder mit den Verhältnissen auf dem Rhein und der
österreichischen Donau oder mit anderen Wasserstraßen verglichen.
Hierbei ist zu berücksichtigen, dass sowohl die Fahrrinnenbreiten
als auch die Abflussverhältnisse völlig unterschiedlich sind. So betragen die Fahrrinnenbreiten an der deutschen Donau in
der Regel nur etwa 70 m, z. T. sogar nur 40 m. Auf den anderen Strecken
sind Fahrrinnenbreiten von 120 bis 150 m vorhanden.
Bei Mittelwasser fließen am Pegel Kaub am Rhein und am Pegel
Kienstock in der Wachaustrecke etwa dreimal soviel Wassermengen wie am
Pegel Hofkirchen ab. Die
nutzbaren Wassertiefen sind an der Donau wesentlich ungünstiger. Außerdem
ist an der österreichischen Donau ein Ausbau für 2,70 m Abladetiefe
(ganzjährig) geplant.
Bei allen Varianten ist sicherzustellen, dass ein ausreichender
Hochwasserschutz gewährleistet wird. Durch entsprechende technische Maßnahmen ist dieser bei allen
Varianten zu gewährleisten.
Sämtliche Untersuchungsergebnisse werden in einem Bericht als
Entscheidungsgrundlage für die Politiker zusammengefasst, in der Hoffnung,
dass diese eine für die Schifffahrt „nachhaltig günstige“ Entscheidung
treffen.
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