Ökologische Staustufen  


Die im Naturschutz organisierten Gruppen sind generell gegen jegliche Art von Staustufen, was eigentlich nicht so richtig zu verstehen ist.

Ein Ausbau mit Staustufen würde nur ökologische Stufen von ca. 3m Höhe und weniger, vorsehen, also nur bis zum Mittelwasserstand. Diese Stufen wären mit den Staustufen Geisling und Straubing nicht vergleichbar, denn sie würden nach neuesten ökologischen Erkenntnissen geplant werden. Der Bau einer Staustützung erfordert keine Eingriffe in die Landschaft, da es möglich ist, sämtliche Baumassnahmen im Fluss vorzunehmen. Auch der Wasserdurchlauf bliebe an der Staustützung völlig erhalten, oder könnte sogar noch verbessert werden. Der Ausbau mit ökologischen Stufen erfordert mindestens drei Stufen. Für die Schifffahrt würde das längere Wartezeiten an den Schleusen bedeuten, was aber m.E.  akzeptiert werden könnte. Dafür wäre mit ökologischem Ausbau eine garantierte

Abladetiefe von 2.50m ganzjährig erreichbar. 

Schon bei mittleren Wasserständen könnten die Stau- klappen völlig geöffnet werden, denn für die Schifffahrt wären dann bereits aus- reichende Tiefgänge vorhanden. Ausser Stützpfeilern würde nichts den Flusslauf behindern und die Schiffe könnten ohne Schleuse die Stauanlage durchfahren.  

Was ist eine ökologische Staustufe von geringer Höhe? Eigentlich ist es nichts anderes als eine Staustützung, ähnlich einer Buhne aus Steinschüttung. Die Staustützung kann hydraulisch in der Höhe verändert werden und sich so jedem Wasser- stand anpassen. Bei höheren Wasserständen können die Staustützen völlig im Wasser versenkt werden und das Wasser kann ungehindert flussabwärts fliessen.

Bei einem Ausbau mit Buhnen durch Steinschüttungen wäre der Wasserstand bei Hochwasser ca. 20 – 30 cm höher. Dies würde eine Erhöhung der Hochwasser- dämme erforderlich machen, um Gefahr für die Bürger dieser Region abzuwenden.

Ein Donauausbau mit flussbaulichen Massnahmen erfordert den Bau von Buhnen (Steinschüttungen, die quer zum Flusslauf angebracht werden) in einem Abstand von ca. 200m. Auf der Strecke von Straubing nach Vilshofen würde dies auf jeder Flussseite 350 Buhnen bedeuten! Das wäre eine grosse Veränderung der Flusslandschaft;

meiner Meinung nach eine Zerstörung der romantischen Flusslandschaft.

Ein Ausbau mit ökologischen Stufen würde nur eine geringe Veränderung im Bereich der Staustützung  erforderlich machen. Die Ausbaukosten würden sich um ein Vielfaches reduzieren, da nur Staustützwerke an drei Stellen gebaut werden müssten, und somit nur geringe Eingriffe in die Natur erforderlich wären.

Der Ausbau mit ökologischen Stufen gegenüber normalen Staustufen wäre eine Kompromisslösung, mit welcher die Schifffahrt leben könnte. Von Seiten der Ausbaugegner müsste dann aber auch ein Entgegenkommen signalisiert werden, was bisher in keinster Weise der Fall war. Auf dem 8. Donaukongress in Niederaalteich fragte ich einen massgeblichen Sprecher der Ausbaugegner, wie er sich vorstelle,   den zunehmenden Verkehr im Zuge der Osterweiterung zu bewältigen. Er meinte daraufhin, es sei hier nicht sein Problem, wenn der Verkehr auf der Autobahn zunähme und die A3 ausgebaut werden müsste. Er sei hier in Niederalteich und nicht in Hengersberg. Mich hat das sehr verwundert. Es scheint, als vertreten manche sogenannte Naturschützer nur ihre eigenen Interessen. An schützende Natur und Umwelt denken sie nur, wenn es in ihr Konzept (oder ihren Wahlkreis) passt.

Nachdem nun bereits über 30 Ausbauvarianten untersucht worden sind, müsste, meiner Meinung nach, nun endlich eine Entscheidung fallen, sonst sind am Ende die Untersuchungskosten höher als die Baukosten.

Der bayerische Ministerpräsident, Herr Dr. Edmund Stoiber, versprach in seiner

Rede zur Eröffnung des Hafens Straubing-Sand im Juni 1996 einen raschen Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen. Ausserdem sprach er vom „bayerischen Herzen“, in dem Tradition und Fortschritt vereint sind und in Stadt und Land Straubing kräftig schlagen wird. Die Kapitäne, die in diesem Hafen anlegen, mögen etwas von diesem Herzen spüren.

Wenn ich an den längst fälligen Donauausbau denke, verspüre ich eigentlich nur „Herzstillstand“.

Nur wenn ein schneller Ausbau kommt, kann für den Hafen Straubing weiterer finanzieller Schaden verhindert werden.  Er kann nur dann als Infrastrukturmassnahme für den niederbayerischen Raum angesehen werden, wenn die Schiffe mit mindestens  2.50m Abladetiefe diesen Hafen anlaufen können.

Eine schnelle Entscheidung für die ökologische Stufe Waltendorf könnte dies ermöglichen. Eingehende Untersuchungen über die Variante mit 1.90m Stauhöhe erschienen von allen Seiten als ökologisch vertretbar.

Ein Ausbau der Radwanderwege längs der Donau könnte im Zuge dieser Baumassnahmen verwirklicht werden. Für die Fremdenverkehrsbranche wäre dies sicher von Vorteil. Ausserdem würde ein Restaurant mit Aussichtsplattform über dem Steuerstand der Schleuse Waltendorf die Attraktivität dieser Region steigern.

Schiffsliegestellen, die gleichzeitig auch als Umschlagsstellen genutzt werden könnten, würden den Gemeinden ermöglichen, Industriegebiete mit direktem Anschluss an den umweltfreundlichsten Verkehrsträger Binnenschifffahrt, zu erschliessen. Für die Region würde dies neue Arbeitsplätze schaffen.

Auf den Pfeilern des ökologischen Stauwehres könnte kostengünstig ein Brückenbauwerk errichtet werden; für die Bevölkerung sicher ein grosser Vorteil.

Die Anwohner dieser Region sollten sich mehr in die Diskussion mit einbringen. Die Verhinderungstaktik der Ausbaugegner bringt nicht einen Arbeitsplatz. Ein Ausbau der Ufer mit Badebuchten (mit Sand- oder Kiesstrand) sollte von der Bevölkerung gefordert werden. 

Ausserdem sieht ein Teil der Bevölkerung in Strom aus Wasserkraft eine umwelt- freundliche Energiegewinnung. Das Bayernwerk bietet mit seinem Angebot „AQUAPOWER“ günstigen Strom aus 100% Wasserkraft. Seit 01.11.1999 wechselten bereits ca. 60.000 Kunden zu diesem Tarif, mit stark steigender Tendenz.

Eigentlich ist bei allen Varianten des Donauausbaus keine Wasserkraftnutzung vorgesehen. Ich glaube aber, dass mit neuester Technik (Wasserräder usw.) eine wirtschaftliche Nutzung der umweltfreundlichen Wasserkraft bereits bei einer Stauhöhe von ca. 2m möglich wäre.

Ein grosse Anzahl der Ausbaugegner ist im öffentlichen Dienst beschäftigt; also mit  sicherem Arbeitsplatz und gesichertem Einkommen. Vielen ist vielleicht gar nicht bewusst, dass sie mit ihrer Einstellung gegen den Ausbau jede Investition in die Zukunft verhindern.

Wir möchten mit der Bevölkerung über den längst überfälligen Donauausbau diskutieren. Vom 1. – 4. Juni 2000 werden wir mit unserem MS „JENNY“, das wir anlässlich dieser Aktion zu einem Infoschiff umbauen werden, in Deggendorf liegen und laden alle, die an Schiffahrt und Donau interessiert sind, ein, uns zu besuchen. Näheres über Liegeplatz und Aktivitäten wird in der örtlichen Presse rechtzeitig bekannt gegeben.

Wir würden uns über zahlreiche Besucher freuen und ihre Fragen auch ehrlich beantworten, um sie von der Notwendigkeit des Donauausbaus zu überzeugen. 

Wir vom umweltfreundlichsten Verkehrsträger Binnenschifffahrt sind sicher, die Autobahnen vom zunehmenden Verkehr zu entlasten, wenn uns durch einen sinnvollen  Ausbau die Möglichkeit gegeben wird, mit unseren Schiffen wirtschaftlich auf der Donau zu fahren.  

Albrecht Scheubner, MS „JENNY“

 

 

Übersicht