Tagebuch
meiner ersten Schiffsreise
Donnerstag,
der 27.12.01
Nach
einer kurzen Autofahrt und einem Besuch im McDonalds sind wir angekommen.
Da fährt es ein: Das große Schiff von Oma und Opa. Ich war zwar schon
mal da, aber da waren wir nur gelegen. Als erstes schau ich mir alles ganz
genau an. Da soll ich die nächste Woche verbringen? Es ist so eng und
laut. Deswegen schrei ich mal ein wenig, dann kommt die Mama und tröstet
mich.
Zum Glück macht der Opa pünktlich um 20 Uhr Feierabend. Das ist nämlich
meine Bettgehzeit. Also trink ich schnell meine Milch und dann geht´s ab
in die Heia.
Freitag,
der 28.12.01
Ich
habe die ganze Nacht super geschlafen. Jetzt ist es halb acht und ich bin
grade aufgewacht (Hihihi, das reimt sich). Wie der Papa mich wickeln will,
erlebt er eine schöne Überraschung: Alles voll!!! Oma und Opa haben mir
ein Wickelkommode auf die Badewanne gebaut. Echt praktisch, wo wir doch eh
so wenig Platz haben.
Am Vormittag nehme ich meine erste Fahrstunde. Ich sitze im Steuerhaus im
Chefsessel und steuere das Schiff. Zwischendurch muss ich noch schnell
telefonieren und über Funk mit den Kollegen sprechen. Aber dann ist schon
Mittag.
Zum Mittagessen sitzen wir alle am Küchentisch. Ich sitze auf Mamas Schoß
und schimpfe, weil ich nichts abbekomme. Danach kriege ich auch mein heiß
ersehntes HamHam. Mmmmmmh ist das lecker! Die beste Milch der ganzen Welt
(heute mit Paprika-geschnetzeltes). Jetzt bin ich auf einmal so müde und
schlafe gleich ein.
Als ich wieder wach bin, fängt die Oma an, mit mir Quatsch zu machen. Ich
weiß auch nicht, was mit mir los ist, aber ich muss andauernd so lachen,
dass mir fast die Luft wegbleibt . Ich glaub, das war zu viel für mich.
Nach einem bisschen Knören schlaf ich sofort wieder ein.
Nach dem Abendessen (ich schlafe schon) gehen Mama und Papa in Richtung
Stadt. Die müssen das doch ausnützen, wenn sie mich mal allein lassen können.
Samstag,
der 29.12.01
Heute
war ein sehr aufregender Tag. Ich habe heute meinen ersten Brei bekommen.
Hat gar nicht so schlimm geschmeckt. Mama, Papa und Oma waren um mich rum
gestanden und haben mir das Zeug reingestopft. Außerdem war ich heute mit
Mama in der Badewanne (sowas gibt´s sogar auf dem Schiff). Das allererste
Mal. Zuhause haben wir nämlich nur eine Dusche, da muss ich immer in die
Babywanne.
Wir
bereiten grade eine Überraschung für Papa vor: Einen Geburtstagsgruß
von mir. Er hat nämlich morgen Geburtstag. Oma und Mama setzen mich auf
ein blaues Kissen und drücken mir eine rote Rose in die Hand. Zusätzlich
hält Mama mir ein Blatt vor den Bauch auf dem „Lieber Papa, ich wünsche
dir alles Liebe und Gute zum Geburtstag. Deine
Alina!“ steht. Damit er
nicht reinkommt und alles sieht, hat Opa vorhin die Türe abgeschlossen.
Jetzt fotografiert Oma mich mit der Digitalkamera und druckt das Bild aus.
Ich schau so süß in meinem roten Samtkleid aus.
Wir
haben heute ein anderes (komisches) Schiff gesehen. Bunkerboot nennen die
das. Das komische Schiff hat Schläuche zu uns rüber gebracht. Ich habe
die ganze Zeit überlegt, was die da machen, bin aber nicht dahinter
gekommen.
Sonntag,
der 30.12.01
Juhu!
Papa hat Geburtstag! Als er aufgestanden ist, hat schon der
Geburtstagstisch auf ihn gewartet. Am aller, allerbesten hat ihm das Foto
von mir gefallen.
Mama sitzt jetzt den ganzen Tag am Computer, um Bilder von mir zu scannen
und zu bearbeiten. Was man auf einem Schiff so alles machen kann. Wer
denkt, hier müsse man sich den ganzen Tag nur langweilen, täuscht sich.
Oma und Opa haben ein richtiges High-Tech-Schiff mit Fotostudio und allem
Drum und Dran. Glaubt man gar nicht, wenn man sich das von außen so
anschaut.
Es gibt noch etwas, das ich auf dem Schiff total toll finde: Das ständige
Vibrieren ist so beruhigen, dass ich sooooooo schön schlummern kann.
Das hätte ich ja fast vergessen: Wir sind heute Mittag in Rotterdam
angekommen.
Montag,
der 31.12.01
Der letzte Tag in meinem ersten
Jahr! Heute Mittag haben Opa, Papa, Mama und ich uns mal den Hafen
angesehen. Da stehen ganz viele tolle Häuser. Auf dem Rückweg wurde auf
dem Steg fotografiert. Im Hintergrund war das Wasser, die Umrisse der
Hochhäuser und ein strahlend blauer Himmel. Das ist so ein tolles Bild
geworden!
Abends
haben wir schön Silvester gefeiert. Zur Feier des Tages durfte ich sogar
bis 21.30 Uhr aufbleiben. Sonst muss ich immer schon um 20 Uhr ins Bett.
Um 0.00 Uhr sind Oma, Opa, Mama und Papa hoch ins Steuerhaus gegangen. Von
allen Seiten sind Raketen losgegangen. So ein schönes Feuerwerk haben
Mama und Papa noch nie gesehen! Mich hat das Ganze aber nicht im
Geringsten interessiert. Ich habe trotz des ganzen Kraches seelenruhig
weiter geschlafen.
Dienstag,
der 01.01.02
Seit
heute gibt es Euro! Mama und Papa finden das blöd, ich nicht. Mit der
Mark konnte ich sowieso noch nichts anfangen. Für Oma und Opa ist das
richtig praktisch: Egal in welches Land (Holland, Belgien, Frankreich oder
auch Österreich) sie mit dem Schiff fahren, sie müssen sich nicht mehr
drum kümmern, immer das passende Geld zur Hand zu haben.
Heute Mittag waren wir in einer typisch holländischen Snackbar und haben
Frikadellen gegessen. Ich zwar nicht, dafür waren sie später in Mamas
Milch. Anschließend sind wir in Rotterdam in die Stadt gefahren. Dort
haben wir total lustige Häuser gesehen; die haben ausgeschaut wie Würfel.
Oma ist auf die Idee gekommen, nach Scheveningen ans Meer zu fahren. Das
haben wir natürlich gleich gemacht. Es war zwar sehr kalt, aber trotzdem
total schön. Wir haben auch wieder viele tolle Fotos gemacht, die wir am
Abend in Omas Fotostudio gleich entwickelt haben.
Mittwoch,
der 02.01.02
Grade
sind Mama und Papa wieder gekommen. Sie haben sich für ein paar Stunden
frei genommen vom Elternsein und sind nach Rotterdam in die Stadt
gegangen. Jetzt, wo sie wieder da sind, fahren wir gleich woanders hin
(„verholen“ heißt das, so was weiß ich schon).
Mein Brei hat mir heute richtig gut geschmeckt, so gut wie heute hab ich
noch nie gegessen. Aber ich habe sowieso schon festgestellt, dass Seeluft
hungrig macht. Und müde auch, den halben Tag bin ich nur am Pennen.
Im Moment schauen wir grade „Unter uns“. Einen Fernseher gibt´s nämlich
auf dem Schiff auch. Ich fühl mich hier wirklich wie daheim. Auch weil
meine Eltern meine Lieblings-Spielsachen mitgenommen haben (Mobile,
Rassel, Puppe und Spieluhr). Im Wohnzimmer ist grade so viel Platz, dass
wir die Krabbeldecke und das Mobile hinstellen können. Zwar knapp, aber
es reicht.
Donnerstag,
der 03.01.02
Heute
haben wir gelöscht (meine Schiffersprache ist doch schon ganz gut,
oder?). Neben uns war ein riesiger Kümo gelegen. Ich weiß zwar nicht,
was das ist, aber das Wort „Kümo“ finde ich total lustig.
Oma und Opa haben gerade Besuch. Ein Mann und eine Frau, mit denen sie
irgendwas besprechen müssen. Mich stört das nicht, ich trinke währenddessen
gemütlich meinen Tee. Jetzt liege ich in meiner Tragetasche auf Oma und
Opas Bett, schlafen will ich aber nicht so recht. Als ich noch bei Mama
auf dem Arm war, habe ich mich immer angelehnt und die Augen zugemacht,
aber nun bin ich wieder putzmunter.
Freitag,
der 04.01.02
Mama
und Papa waren heute wieder in der Stadt. Wir sind nämlich wieder in den
Rheinhafen gefahren, da ist gleich nebenan die Metro. Währenddessen bin
ich bei Oma und Opa geblieben. So gegen halb fünf Uhr sind Mama und Papa
wieder gekommen. Sie haben mir einen total schönen, lila Pulli mit
Herzchen drauf, mitgebracht. Da hab ich mich gefreut. Den restlichen Tag
haben wir nichts besonderes gemacht (jedenfalls fällt mir nichts mehr
ein). Am Abend durfte ich ausnahmsweise länger aufbleiben, nämlich bis
22 Uhr. Ich hab schon gedacht, es wäre wieder Silvester, war aber leider
nix.
Samstag,
der 05.01.02
Ich
hab heut mal richtig ausgeschlafen. Bis dreiviertel elf. Da hat die Mama
sich aber gefreut. Als ich grade getrunken habe, hat der Opa auf einmal
ganz hart gedreht. Das Schiff hat geschaukelt und es war sooo laut. Mich
hat´s recht wenig interessiert, ich hab seelenruhig weiter getrunken.
Grade sind wir in der Maasvlakkte in den Hafen gekommen und laden Erz für
Linz. Endlich, wir waren ja jetzt schon 6 Tage in Rotterdam rumgelegen.
War aber auch nicht schlecht. So konnten sich Mama und Papa schön die
Stadt anschauen und am Meer waren wir ja auch.
Sonntag, der 06.01.02
Schon ist
der letzte Tag meiner Schiffsreise gekommen. Ich muss sagen, es war
wirklich aufregend. Aber irgendwann ist´s auch genug und ich freue mich
jetzt, wieder heim zu kommen. In den 11 Tagen an Bord haben wir 3 Filme
verknipst. So viel tolle Sachen gab´s zu sehen. Gestern sind wir sogar an
einem Schiff vorbei gefahren, das hieß Alina. Genau wie ich!
Jetzt
muss ich aber mal Schluss machen, weil ich
noch ein bisschen rauf zum Opa will, bevor wir fahren.
Von
Alina Scheubner
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